Spurensuche
(Reisebericht/Arbeitseinsatz von Annie im Juli 2010)
Der Gedanke ehrenamtlich für eine kurze Zeit im Tierheim Tossa mitzuhelfen,
kam mir erstmals, als ich beim Stöbern auf der Homepage des APAP über die
Möglichkeit eines solchen Arbeitseinsatzes las. Das dortige Tierheim wollte ich
ohnehin schon länger kennenlernen, da mein verstorbener Hund Charly von dort ins
Freiburger Tierheim vermittelt wurde. Vielleicht konnte mir ja in Tossa jemand
näheres über Charlys Herkunft erzählen. Die Chancen waren bei den vielen Hunden
zwar verschwindend gering aber man kann ja nie wissen...
Nach ersten Telefonaten mit Daniela der deutschen Kontaktperson des APAP wurde es dann auch schnell konkret. Ich flog am 20.7.2010 für eine Woche nach Spanien. Mitchel, der Tierheimleiter, empfing mich am Busbahnhof Tossa sehr herzlich. Obwohl er kein Deutsch und ich kein Spanisch sprach, war eine Verständigung möglich. Nach ca. 5 min Autofahrt waren wir dann auch schon da.
Michel und
Isabel
Häuschen, wo ich
während meines Arbeitseinsatzes gewohnt habe.
APAP liegt sehr zentral, sodass
ich während meiner Woche öfter mal einen Spaziergang in den Ort unternahm und
sei es nur, um mich im nahe gelegenen Supermarkt mit Lebensmitteln zu versorgen.
Im Tierheim wurden wir dann auch gleich sehr stürmisch von den auf dem Hof
freilebenden Hunden empfangen. Alle wollten zuerst begrüßt und gestreichelt
werden.
Auch Isabel, Mitchels Frau, empfing mich sehr freundlich. Sie zeigte mir
dann auch gleich das Häuschen auf dem Tierheimgelände, wo ich während dieser
Woche wohnen durfte.
Ich guckte mich nur kurz in dem einfach aber nett eingrichteten Häuschen um und ging gleich wieder zurück zur Futterküche, wo
Isabel und Mitchel bereits dabei waren die Futtermischung für die Hunde
vorzubereiten.
Als diese fertig war, gings sofort weiter zu den Hundeausläufen,
wo schon viele hungrige Mäuler auf uns warteten. Bis auf Rocky, der mich kurz in
den Oberschenkel zwickte, waren ausnahmslos alle Hunde total freundlich. Einer
pinkelte mir sogar vor lauter Freude ans Bein, was aber kein Problem war, da
überall Wasserstellen angelegt sind, wo man sich waschen oder auch einfach mal
kurz abkühlen konnte. Benutzt werden diese natürlich vorwiegend zum Wechseln des
Trinkwassers der Hunde oder, wie ich Tage später miterleben durfte, zum Baden
der Hunde in den Zwingern.
Danach fütterten wir die Katzen, bevor es dann ans
Spülen der zahlreichen Fütternäpfe und Eimer ging.
Am nächsten Morgen gings dann
um acht Uhr los mit Hundeausläufe reinigen. Mit Rechen und Schippe bewaffnet
ging ich von Zwinger zu Zwinger, um die Hinterlassenschaften der Hunde
einzusammeln. Diese Arbeit musste jeden Tag getan werden, wohingegen ich z. B.
lediglich einen Nachmittag damit verbrachte so viele Hunde wie möglich mit
Frontline zu versorgen. Die Essensvorbereitungen waren auch täglich dieselben.
Mitchel fährt während der Sommermonate, wo der Tourismus in Tossa am stärksten
ist, jeden Tag in ein Hotel, das dem APAP die Essensreste des Vortages
überlassen. Meine Aufgabe war dann immer, die Fleisch- und Fischstücke für das
Katzenfutter auszusortieren und den Rest, der meist aus Kartoffeln, Pommes,
Gemüse oder Pasta bestand, für die Hunde in Eimer zu füllen. Vermischt wurde
dies dann mit Trockenfutter. Wenn das
Katzenfutter nicht ausreichte, kochte Isabel ganze Hühner, die ich anschließend
von ihren Knochen befreite. Diese Arbeit war für mich als Vegetarierin nicht
immer leicht aber die Tiere wollten schließlich was essen.
Bandji
Unterbrochen wurde ich bei dieser Arbeit immer mal wieder von den Hunden, die ihre Streicheleinheiten einforderten. Besonders Bandji, eine süße kleine Mischlingshündin mit einer - zum Glück - gutartigen Geschwulst am linken Auge, war sehr liebesbedürftig und legte sich immer sofort auf die Erde, um sich den Bauch kraulen zu lassen. Sie und die anderen Tiere machten diese Woche für mich zu einer wunderbaren Erfahrung und halfen über manche nicht so schöne Erlebnisse wie Sonnenbrand, Moskitos und die Hilflosigkeit und Traurigkeit hinweg, die mich jedesmal überkam, wenn ich die Hunde aus der angrenzenden Perrera bellen oder gar jaulen hörte.
Ohne Mitchel und Isabel hätten insbesondere die älteren oder kranken Hunde keine Chance auf eine Vermittlung in ein eigenes liebevolles Zuhause. Dabei sind oft gerade diese die tollsten und dankbarsten Geschöpfe.
Geradezu verliebt habe ich mich in den kleinen 18jährigen Gremlin, der seinen Lebensabend freilaufend (oder wackelnd :-)) auf dem Hof verbringen darf und nicht nur der Star aller Katzen (von denen er ständig beschmust wird) sondern auch von Isabel ist, die immer darauf achtet, dass er auch ordentlich frisst.
Gremlin
Dann gibt es da noch die blinde Hündin Maggie, die alleine einen Auslauf bewohnt, da sie aufgrund ihrer Behinderung nicht mit den anderen Hunden klarkommt sowie Bibi und Juan, die leider beide Leismaniose-positiv sind aber jedem ihre Liebe schenken, der sich ein bißchen Zeit für sie nimmt. Bis auf einen Abend, an dem mir Isabel die zauberhafte Altstadt von Tossa zeigte, verbrachte ich meine freie Zeit im APAP, fern aller Weltnachrichten, TV, Radio oder Internet und habe dabei festgestellt, wie schön gerade die einfachen Dinge sein können. Eine heiße Dusche nach der Arbeit, ein leckeres Essen und ein Bierchen am Abend oder der frisch aufgebrühte Kaffee am morgen, bevor die Arbeit losgeht. Ich habe auch wieder gemerkt, wie gut es mir tut, körperlich zu arbeiten und wünsche mir für meine Zukunft, dass ich einen Weg weg vom Schreibtisch hin zu einer solchen Tätigkeit finden kann - am liebsten natürlich umgeben von Tieren.
An Charly konnten sich alle erinnern, auch Kim, die
Pflegerin, die unter der Woche vormittags ,die Hunde und Katzen liebevoll
versorgt und mit der ich viele gute Gespräche auf Englisch führen durfte.
Kim
Sie wußten jedoch alle auch nicht mehr, als dass Charly von der Perrera
ins APAP vermittelt wurde und dann auf die große Reise nach Freiburg ging.
Das ist aber auch längst nicht mehr wichtig für mich.
Was vielmehr zählt, sind die drei schönen Jahre, die ich mit meinem Liebling
verbringen durfte.
Den Stein, den ich aus Deutschland von Charlys Begräbnis mitgebracht hatte, legte ich an meinem letzten Abend im APAP dort nieder, wo ich abends die meiste Zeit gesessen hatte und einfach nur glücklich war, diese tolle Zeit zu erleben.
Eure
Annie