Kelly erster Ankunftstag

 

Kelly, die Seekuh
und die Liebe über´s Internet funktioniert doch!

So ein Tierschutzverteiler ist schon eine feine Sache, Hilfsgesuche und –angebote können hier großzügig verteilt werden und manch arme Seele findet so ein neues Zuhause.

Vor ca. 1 ½ Jahren ging ich die vielen Mails durch und: da war sie! Der dickste Hund den ich je gesehen hatte, verstruppelt und schmutzig lag sie in ihrem Erdloch und döste vor sich hin. Die Beschreibung von ihr war liebevollst geschrieben, man konnte sich gleich ein Bild von der Dicken machen und je öfter ich den Text las, umso mehr habe ich mich in sie verliebt. Zwei Tage lang wurde hin und her überlegt, geht noch ein Hund, schließlich haben wir ja schon 4 eigene Nasen und – das war natürlich auch ein großes Knackpunkt – was macht Kelly mit unseren Katzen? Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, bei Daniela angerufen und mich beworben. Nie hätte ich auch nur gedacht, dass die Möglichkeit besteht, dass gerade ich das richtige Zuhause bieten könnte. Nach ein paar weiteren Telefonaten wurde die sogenannte Platzkontrolle gemacht. Steffi, die nur ein paar Kilometer von uns wohnt, hat sich auf einen Besuch angemeldet. Sagen muss ich auch noch, dass ich, zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre im örtlichen Tierheim gearbeitet und viele Hunde vermittelt habe. Komisch, wenn man plötzlich selbst „kontrolliert“ wird, die Aufregung war schon groß und das Ergebnis war: die Dicke durfte kommen. Glücklicherweise fuhr ca. 14 Tage später ein anderer Tierschutzverein nach Spanien, sie brachten mir Kelly dann mit. Nach 14 Stunden Transport wurde die Klappe des Autos geöffnet und Kelly war ganz vorne in einer Gitterbox auf der Ladefläche. Erster Eindruck: „mein Gott, sie ist ja noch viel moppeliger als auf den Fotos, völlig gestresst hat sie ausgesehen und einen „Blumentopf“ für´s Aussehen hätte sie auch nicht gewonnen. Egal, zu dritt haben wir sie aus dem Auto gehoben, fast wäre ein Kran hilfreich gewesen. Nach ein paar Schritten auf einer Wiese, mit vielen anderen spanischen Hunden, wurde sofort klar, dass Kelly absolut verträglich ist und dann ging es ab ins Auto und ins neue Zuhause. Emile, mein großer Rüde, hatte zuerst einmal mächtig Angst vor ihr (so was sieht man schließlich ja nicht alle Tage) und hat ein bisschen rumgegrantelt. Kelly hat ihm dann ganz schnell klar gemacht „wo der Hammer hängt“ und seitdem sind sie echte Freunde, die Mädels sind halt doch immer der Chef!

Anfangs dachte ich immer, dass sie bestimmt nicht mehr lange leben wird, das Gesäuge hing fast bis zum Boden, die zwei Treppen, vor der Haustüre, waren eine Herausforderung für sie und im Ohr haben wir einen großen Tumor entdeckt. Ok dachte ich mir, dann machst du ihr halt ein paar schöne Wochen, verwöhnst sie und versuchst wieder gut zu machen was man ihr vorher angetan hat. 9 Jahre in einem Kellerloch zu leben, nur Kinder zu bekommen ist ja auch kein Spaß.

Unsere Tierärztin, Frau Dr. Loster, hat sich dann auch gleich noch in die dicke Seekuh verliebt, eine „Patenschaft“ übernommen und so werden die Tierarztkosten gesponsert. Das Gewächs im Ohr wurde entfernt, viele andere, kleinere Tumore am ganzen Körper ruhen hoffentlich noch lange und werden ihr bitte nicht zur Gefahr. Vielen Dank dafür, liebe Frau Dr. Loster, dass sie es mit Kelly so gut meinen und wir immer ein offenes Ohr bei ihnen finden. Kelly kümmert sich dann immer ganz besonders, wenn ihre beiden Hunde bei uns auf Pension sind.

Mobbelchen ist DER HAMMER, soviel Freude, Unterhaltung, Liebe und Verständnis – ihrerseits – habe ich bisher noch von keinem Hund bekommen.

Ihr allergrößtes Hobby ist das Fressen, sie räumt auch schon mal gelegentlich den Kühlschrank aus, übrig bleibt die Buttermilch – Schönheit in innen hat sie nicht nötig. Sollte ihr Fressen nicht pünktlich serviert werden kann sie ganz schon grantig sein, schreit mich förmlich an und ist dabei mehr als ausdauernd.

Wenn Kelly mit meinen Jungs spielt ist das wie ein mittelschweres Erdbeben. Sie flitzt über den Hof, macht ihre Gegner mit Bodychecks nieder und hat eine unheimliche Freude dabei.

Ausflüge zum nachbarschaftlichen Bauernhof, eigentlich eher zum Misthaufen, können auch schon mal vorkommen. Mitgebrachte „Schätze“, oder was sie dafür hält, sind z.B. vergammelte Entenköpfe, da wird der Kiefer dann so fest zusammengepresst, dass es fast unmöglich ist ihr das scheußliche Ding wieder abzunehmen.

Dickes ist freundlich zu allen Menschen, Kinder mag sie besonders. Der Sohn meiner Freundin hat sie immer als „Gehfrei“ benutzt, ist ja so praktisch sich an der Dicken festzuhalten und an Orte zu gelangen zu denen man krabbelnderweise viel länger braucht!

Alle Pensionshunde werden freundlich von ihr aufgenommen, nie gibt es Ärger und manchmal teilt sie sich sogar ihr Bett mit ihnen und schnarcht sie in den Schlaf.

Zwischenzeitlich ist aus der Zotteligen mit den langen Seidenohren ein etwas kahleres Geschöpf geworden, die Hormone haben ihr Fell etwas entschwinden lassen. Egal, für mich ist sie die schönste Fellnase überhaupt und nachdem sie jetzt ca. 15 kg abgenommen hat, auch dank der Schilddrüsentabletten, die ihre Unterfunktion unterstützen, ist aus meiner weißen, spanischen Seekuh fast schon eine See-Elfe geworden.

Sie müsste das Ewige Leben haben, leider ist dies aber nicht möglich und so hoffen wir doch noch auf eine lange, gemeinsame und wirklich schöne Zeit miteinander.

Das Erdloch in Spanien hat sie bestimmt schon vergessen und es ist erstaunlich, wie schnell sich ein doch relativ alter Hund, damals war sie ca. 12 – 13 Jahre, völlig problemlos in ein ihr unbekanntes Leben und Land eingewöhnt.

Bei uns im Dorf ist sie allen bekannt und selbst Menschen die Angst vor Hunden haben, finden die Dicke nur toll und so hat sie auch noch einen Job als Therapiehund angenommen.

Kelly, ich bin sehr froh, dass wir miteinander leben dürfen, ohne Dich würde der Alltag nicht so schön und ausgefüllt sein. Ich danke Dir dafür.

Tanja