Die Höhen und Tiefen eines langen Hundelebens“

oder

"Leonessa, eine Erfolgsgeschichte"

I

Im September 2001 sahen wir SIE. Sie saß wie ein Häufchen Elend sich verkriechend, wenn Fremde kommen, in der Hütte. Kim ging mit uns in den Zwinger, alle anderen Hunde kamen freudig auf uns zu und freuten sich auf Streicheleinheiten. Aber sie schaute nur sehr skeptisch auf uns Fremde. Auch als Kim leise und lieb mit ihr sprach dauerte es lange bis sie sich traute aus ihrem schützenden Haus herauszukommen um zu ihrer Betreuerin zu gehen. Als wir sie vorsichtig ansprachen und leicht streichelten erstarrte sie nur und ertrug uns.

Unser Herz war gebrochen und wir überlegten lange im Urlaub ob wir sie zu uns holen könnten.

Sie war schätzungsweise 1996 geboren und lebte schon ca. 3 Jahre im Tierheim von APAP und lebte vorher schon im Refugio von Chari Cruz, der verstorbenen Schwester von Michel Cruz, 1. Vorsitzender von APAP-Tossa in Spanien.

Die ersten Jahre in Deutschland war ich mir manchmal nicht sicher ob es das richtige für Leonessa gewesen war, sie aus ihrer schützenden Hülle zu holen in eine ihr so fremde und angstmachende Welt.

Aber jetzt wo es 5 ½ Jahre her ist seit wir sie das erste Mal sahen sind wir uns schon lange sicher, dass es bestimmt das beste für sie war und das inzwischen auch Leonessa davon schon lange überzeugt ist.

Sie ist bestimmt älter als jetzt ihre offiziellen 10 Jahre, allein die Zähne lassen es schon vermuten und wir schätzen sie jetzt so auf ca. 13 Jahre.

Wir mussten sie am Abfahrtstag in der Protectora APAP in Tossa, Spanien aus ihrem Haus heraustragen, sie kam natürlich nicht hinter uns hergelaufen. Ebenfalls bekam sie ein Beruhigungsmittel damit sie nicht allzuviel Stress hatte. Auch haben wir dann eine „Zimmerkollegin“ von ihr, ebenfalls eine Abuela, mitgenommen um für sie ein schönes Zuhause in Deutschland zu finden.

Unser junger Rüde, der Leonessa ja schon in Spanien kennengelernt hatte, akzeptierte sie sofort in seinem Zuhause.

So vergingen die ersten Wochen, für uns sehr spannend und für Leonessa sehr nervenaufreibend.  Aufgrund ihrer Ängstlichkeit gingen wir mit Leonessa in den ersten Tagen nur in den Garten zum "Geschäft erledigen". Später zum spazieren gehen mussten wir immer Auto fahren, Leonessa war das erste halbe Jahr reisekrank. Wir hatten ihr vorher im Auto für ihre  Sicherheit eine lange Führleine angelegt, damit sie aber immer noch ihren Sicherheitsabstand zum Menschen behalten konnte.  Es war nicht möglich beim Spazieren gehen ihr die Leine anzuziehen, sie kam nicht zu uns hin.   Wir machten zwei Schritte auf sie zu und sie machte fünf zurück.  Spazieren gehen  an der kurzen Leine war die ersten Monate unmöglich. Sie lief wirklich immer mit uns mit, aber mit einem grossen Sicherheitsabstand.  Sie kam immer  selbstständig mit zum Auto und sprang dann hinein.  Über die Führleine brauchten wir keinerlei Druck auf sie auszuüben. So haben wir uns natürlich sehr ruhige und gefahrenlose Spazierwege für Leonessa ausgesucht. Nach zwei Monaten kam sie das erste Mal beim Gassi gehen von sich aus zu mir hin. Ich war überglücklich. Ein riesiger Eisberg war weiter ein Stück gebrochen. Wenn Fremde mit uns spazieren gingen wurde ihr Sicherheitsabstand noch grösser. Meist kroch sie dann nur durchs Unterholz aber immer uns im Blick habend wo wir denn langgehen.Alle Bekannten und Fremden wurden natürlich mit Leckerchen versehen um sich bei Leo einzuschleimen. Nach weiteren Monaten zeigten die Leckerchen Wirkung und sie kam auch zu Fremden hin. Vom Anfang an war sie stubenrein. Wir waren sprachlos und sind aber davon überzeugt sie wohnte vorher nie in einem Haus.

Wenn wir in der Wohnung etwas umstellten oder der gewohnte Weg in der Wohnung, z.B. Zum Spazieren gehen durch den Flur gehend, mit etwas zugestellt war wurde Leonessa fast panisch und traute sich häufig nicht vorbei. Auch das hat sich inzwischen schon lange gegeben. Nach Jahren noch hat sie aber weiterhin Angst vor Stöcken z.B. Besen. Wenn sie nicht ihrer Meinung nach schnell genug flüchten kann rennt die alte Dame noch über das Sofa. Ganz zu Anfang hatte sie auch eine panische Angst vor der Leine oder auch vor hecktischen und hoch erhobenen Bewegungen. Wenn wir unserem Rüden den Ball warfen mussten wir es immer sehr vorsichtig machen oder schauen das Leonessa in gewisser Entfernung war. Auch diese Angst hat sie zum Glück jetzt schon einige Zeit abgelegt.

Schimpfen braucht man mit Leonessa nie. Sie tat bisher nie etwas verbotenes. Nur die leichteste Erhebung der Stimme reicht ihr gegenüber schon aus das sie panische Sorge bekommt. Aber auch das hat sich zum Glück in den letzten Jahren etwas gebessert.

Was sie in ihrem früheren Leben vor dem Tierheim wohl erlebt und erduldet haben muss, wir möchten es lieber gar nicht wissen was Menschen ihr antaten.

Zwischenzeitlich hat sie dann auch noch einen Mammae-Tumor bekommen und musste zwei Mal opperiert werden. Dabei wurde auch eine akute Gebärmutterentzündung festgestellt und es hätte in einigen Wochen auch fast zu spät sein können. Nach der ersten Operation ging es Leonessa sehr gut, Drei Tage nach der OP domminierte diese Hündin, sie sonst eher so ruhig ist wie eine Schlaftablette und nur sehr selten mal ihre dollen 2 Minuten bekommt, unseren Rüden. Wir haben Tränen gelacht. Bei der zweiten Operation verlief nicht alles so gut, Leo zog sich einige Fäden und musste nachgenäht werden. Und das ohne Narkose. Aber auch das ertrug sie ohne zu jammern. Ihre Ergenbenheit und ihr Ertragen können ist schon sehr stark und bestimmt leider in ihrem vorherigen nicht so schönen Leben lange erlernt.

Noch heute braucht sie häufig Sicherheit beim Ruhen und sie legt sich meistens unter den Tischen, damit sie ein schützendes Dach über sich hat.

Jetzt sind wir vor zwei Jahren von der Stadt aufs Land gezogen. Leonessa darf jetzt endlich lang und ausgiebig ihr einziges Hobby fröhnen, das Buddeln nach Maulwürfen und Wühlmäusen und das vernaschen derselben. Den Charakter einer kleinen Hündinnen Zicke hat sie in sich, sie musste sich ja auch jahrelang im Tierheimzwinger mit ihren Artgenossinnen auseinander setzen und jetzt gibt sie das kleine einmaleins an unsere Pflegehunde weiter.

Ansonsten ist sie eine sehr ruhige ältere Dame die viel schläft, sehr verfressen ist und keinem Leckerchen abgeneigt und für ihr Leben gerne schmust. Auch etwas für das sie lange gebraucht hat es zu lernen und zu genießen und zu realisieren, dass von Menschen nicht nur negatives ausgeht sondern auch sehr schöne positive Dinge.

Wir hätten damals nie gedacht, dass sie noch so lange ohne grössere gesundheitliche Probleme bei uns ist, denn auch damals hatte sie schon stärkere HD und das jahrelange Liegen und die wenige Bewegung im Tierheimzwinger haben ihr übriges dafür getan. Inzwischen fällt ihr das Springen ins Auto schwer, auch die wenigen Treppen, die sie bei uns steigen muss wollen gut koordiniert sein und die täglichen Spaziergänge können auch nicht mehr so lang sein sondern werden fast nur noch fürs Buddeln genutzt aber sie ist so eine liebe, sanfte und dankbare Hündin, die jeden Tag aufs neue genießt, sodass wir uns inzwischen auch jeden Tag freuen, dass wir uns ein Herz genommen und sie in unserer Familie aufgenommen haben.  

Wir möchten den Menschen Mut machen, auch den Tieren, vor allem auch den älteren, aus dem Ausland eine zweite Chance auf ein neues Leben zu geben.  Es wird immer einige Hindernisse in der Anfangszeit geben und die Eingewöhnungszeit wird bei manchen kürzer oder auch länger dauern, denn alle die Tiere haben schon eine Geschichte hinter sich, die wir vielfach nicht kennen  aber sie danken es einem mit einem übergrossen Herz an Liebe und es ist das schönste zu sehen wie die Tiere wieder aufleben und ihr Leben wieder anfangen zu geniessen.